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Dankbarkeit ist eine Haltung – sie trägt uns gemeinsam durch Veränderung

  • 25. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. Feb.

Veränderung gehört zu unserem Alltag. Sie kommt manchmal leise, manchmal spürbar. Sie fordert uns, sie verlangt Anpassung – und sie macht sichtbar, was wirklich trägt.

Im Gespräch mit Doris Zeilinger wird deutlich: Nicht die äußeren Umstände entscheiden darüber, wie wir Veränderung erleben, sondern unsere Grundhaltung. Eine Grundhaltung, die durch Dankbarkeit geprägt ist, richtet uns auf und stärkt uns.


Gerade in bewegten Zeiten zeigt sich, was Bestand hat: Beziehung, Zugehörigkeit und das bewusste Wahrnehmen dessen, was möglich bleibt.


Ein Gespräch mit Doris Zeilinger, Sozialarbeiterin im PBZ Tulln

Ein Gespräch mit Doris Zeilinger, Sozialarbeiterin im PBZ Tulln


Soziarbeit mit Haltung und Klarheit

Doris Zeilinger arbeitet als Sozialarbeiterin im PBZ und begleitet Bewohnerinnen und Bewohner sowie deren Angehörige in oftmals sensiblen Lebensphasen. Ihr Wirkungsbereich liegt im mobilen Palliativteam, im Hospiz sowie in der Übergangspflege am Weißen Hof, wo sie Menschen und ihre Angehörigen in besonders sensiblen Lebens- und Übergangsphasen begleitet und komplexe psychosoziale Fragestellungen klärt. Sie berät in sozialrechtlichen Fragen, unterstützt bei organisatorischen Anliegen und gestaltet Übergänge – vom Einzug bis zu herausfordernden persönlichen Situationen – mit Struktur und Einfühlungsvermögen.


Ihre Arbeit geht weit über formale Zuständigkeiten hinaus. Sie hört zu, klärt Erwartungen, moderiert Gespräche und schafft Orientierung, wenn Unsicherheit entsteht. Gerade dort, wo medizinische, pflegerische und familiäre Perspektiven aufeinandertreffen, wirkt sie stabilisierend und verbindend.


„Sozialarbeit heißt für mich, Menschen Orientierung zu geben, wenn gerade vieles unsicher wirkt. Wenn Gespräche Klarheit schaffen, entsteht wieder Handlungsspielraum.“

In einem Haus wie dem PBZ, in dem täglich Verantwortung getragen wird, sorgt Frau Zeilinger dafür, dass soziale Fragen nicht untergehen, sondern professionell begleitet werden. Ihre Tätigkeit schafft Vertrauen – und dieses Vertrauen bildet eine wesentliche Grundlage für gelingende Zusammenarbeit.

„Ich sehe mich oft als Brücke – zwischen Bewohnern, Angehörigen und unserem Team.“

Veränderung als Teil unseres Berufslebens

Veränderung ist nichts Außergewöhnliches. Sie begleitet uns im Gesundheits- und Pflegebereich ständig. Rahmenbedingungen verändern sich, Strukturen entwickeln sich weiter, neue Lösungen entstehen.


Auf die Frage, warum uns Veränderung dennoch fordert, sagt Doris Zeilinger:

„Das ist für mich eine natürliche Reaktion, eine menschliche Reaktion, weil der Mensch einfach ein Grundbedürfnis nach Sicherheit hat.“

Ein klarer Gedanke.

Veränderung bedeutet zunächst Unsicherheit. Und Unsicherheit berührt ein Grundbedürfnis.

Sie ergänzt:

„Überall, wo diese Grundbedürfnisse gefährdet sind oder gefährdet gesehen werden, ist es logisch für mich, dass man sich schwer tut.“

Es ist logisch.

Nicht Schwäche.

Nicht Widerstand um des Widerstands willen.

Sondern eine zutiefst menschliche Reaktion.


Wenn sich Rahmenbedingungen verändern

Mit Veränderung gehen manchmal vertraute Elemente verloren. Dinge, die sich bewährt haben. Orte, die Atmosphäre geschaffen haben. Solche Orte – eine Terrasse, ein Kaffeehaus, ein Raum für Begegnung – werden Teil des Alltags. Sie tragen Beziehung. Sie schaffen Nähe.


Doris Zeilinger erinnert sich:

„Es haben sehr viele Gespräche dort stattgefunden.“

Es tut weh, wenn wir schöne Gewohnheiten verlieren. Wenn sich Rahmenbedingungen ändern, müssen manchmal auch solche Vorteile aufgegeben werden. Das kann Wehmut auslösen. Doch Wehmut bedeutet nicht, darin zu versinken.


Die entscheidende Frage lautet: Wie können diese Bedürfnisse anders erfüllt werden?

„Die Mitarbeiter sind wahnsinnig kreativ.“

Kreativität entsteht dort, wo Gewohntes nicht mehr selbstverständlich ist. Neue Wege werden gesucht:

Ehrenamtliche werden eingebunden.

Ausgänge ins Kaffeehaus werden organisiert.

Überlegungen zu einer Rikscha für weniger mobile Bewohner stehen im Raum.


Krisen fordern Kreativität.

Und oft liegt diese Kreativität im Alltag der Gewohnheiten brach.


Hier zeigt sich ein zentraler Gedanke der positiven Psychologie: Herausforderungen können Ressourcen sichtbar machen, die vorher nicht genutzt wurden.


Wenn Menschen im Hospiz neu aufleben

Ein besonders berührender Aspekt im Gespräch ist die Beobachtung, dass Menschen im Hospiz manchmal stabiler werden.

Doris Zeilinger beschreibt es so:

„Oft ist es wirklich so, dass Bewohner hier einfach Zuwendung bekommen und neu aufleben.“

Zuwendung, professionelle Begleitung, Symptomlinderung – das sind wichtige Aspekte.

Doch wie geht es den Angehörigen?

„Die Pflege wird abgegeben. Die Angehörigen können wieder Angehörige sein.“

Wenn Verantwortung geteilt wird, entsteht Raum für Beziehung.

Wenn Druck nachlässt, kann Nähe wieder möglich werden.


Dieser Raum für Beziehung kann manches ersetzen, was früher an konkreten Orten stattgefunden hat – sei es im Café Tao oder auf der Terrasse. Beziehung ist nicht an Mauern gebunden. Sie entsteht dort, wo Entlastung und Sicherheit spürbar werden.


Vielleicht ist es genau dieses Zusammenspiel aus professioneller Sicherheit und menschlicher Nähe, das Menschen – trotz schwerer Erkrankung – wieder aufleben lässt.


Dankbarkeit für Kontinuität und Wertschätzung

Auf die Frage nach einem Moment der Dankbarkeit denkt Doris Zeilinger zunächst an eine Patientin:

„Eine Patientin hat gesagt, sie ist einfach so froh, dass da dieselben Mitarbeiter noch da sind.“

Bekannte Gesichter. Verlässlichkeit. Beziehung.

In Zeiten der Veränderung wird Kontinuität zu einem Anker.


Dankbarkeit zeigt sich aber auch in der Erfahrung von Wertschätzung. Gespräche haben stattgefunden, Anliegen wurden aufgenommen, Austausch war möglich. Dieses Erleben beschreibt sie als wertschätzend.


Dankbarkeit entsteht nicht, weil alles perfekt ist.

Sie entsteht, weil Beziehung und Dialog tragfähig bleiben.


Blick in die Zukunft

Mit Blick nach vorne formuliert Doris Zeilinger einen Wunsch:

„Dass man das neue PBZ Tulln wirklich so gestalten kann, dass es bedürfnisgerecht ist – für die Bewohner und für die Mitarbeiter.“

Es geht nicht um Rückschritt. Es geht um Weiterentwicklung mit Bewusstsein für das, was Menschen benötigen.


Dankbarkeit ist dabei keine Verklärung der Vergangenheit. Sie ist eine Kraftquelle für Gestaltung.


Dankbarkeit als tragende Grundhaltung

Dieses Gespräch zeigt:

Dankbarkeit ist keine Reaktion auf perfekte Umstände. Sie ist eine Haltung.

Eine Grundhaltung, die uns aufrichtet. Eine Grundhaltung, die stärkt.

Veränderung bleibt Teil unseres Alltags. Was uns trägt, ist nicht das Gebäude, sondern die Haltung, mit der wir darin arbeiten.


Und genau diese Haltung trägt uns gemeinsam – durch Veränderung.


 
 
 

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