Neue Verantwortung, klare Haltung: Viktoria Fritz über ihre neuen Aufgaben im PBZ Tulln
- Jürgen Dostal

- 20. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Jan.
Im Pflege- und Betreuungszentrum Tulln stehen organisatorische Veränderungen an. Viktoria Fritz, Stabsstelle Prozess- und Projektmanagement im PBZ Tulln, übernimmt mit dieser Woche zusätzlich interimistisch Aufgaben im Bereich Management, Wirtschaft & Support. Im Gespräch spricht sie über ihre neue Verantwortung, ihre Haltung zur Rolle von Verwaltung und Support sowie über die Herausforderungen, die sie in dieser Phase sieht.
Das Interview mit Viktoria Fritz wurde von Jürgen Dostal (PROCONSENS.AT) geführt.

JD: Viktoria, du leitest aktuell die Stabsstelle Prozess- und Projektmanagement. Wenn du deine Tätigkeit ganz knapp beschreiben müsstest – was tust du derzeit im PBZ Tulln?
Viktoria Fritz: Unterstützen. Dort helfen, wo es notwendig ist. Prozesse verbessern, vereinfachen und so gestalten, dass sie für alle gut funktionieren und das Zusammenarbeiten im Haus erleichtern.
JD: Diese Rolle wird sich nun erweitern. Du übernimmst interimistisch zusätzliche Verantwortung. Wie war deine erste Reaktion, als diese Anfrage kam?
Viktoria Fritz: Ehrlich gesagt sehr klar. Ich habe sofort gesagt: Ja, mache ich. Ich freue mich darauf. Für mich war klar, dass ich unterstützen möchte, wo es geht. Ein Nein war für mich keine Option. Wichtig war mir nur, dass es gut geklärt ist und niemand das Gefühl bekommt, in den eigenen Kompetenzen eingeschränkt zu werden. Es geht um Unterstützung - nicht um Positionen.
Es geht um Unterstützung – nicht um Positionen.
JD: Was ändert sich konkret in deinem Arbeitsalltag?
Viktoria Fritz: Es hat sich bereits einiges verändert. Ich übernehme nun Aufgaben einer Bereichsleitung wahr. Themen wie Küche, Haustechnik, Wäscherei, Fremdreinigung und natürlich auch die Verwaltung fallen in meinen Verantwortungsbereich. Dazu kommt Mitarbeiterverantwortung, die offizielle Vertretung der Direktion bei Abwesenheit und das Treffen von Entscheidungen. Das ist neu für mich, weil ich in der Stabsstelle bisher keine direkte Führungsrolle hatte.
JD: Wo siehst du aktuell die größten Herausforderungen in dieser neuen Rolle?
Viktoria Fritz: Ganz klar darin, die Menschen und Abläufe kennenzulernen. In der Verwaltung ist das bereits gut gelungen, in den anderen Bereichen benötigt das Zeit. Jedes Haus funktioniert anders, auch wenn man Erfahrung aus anderen Einrichtungen mitbringt. Man kann gute Entscheidungen nur treffen, wenn man weiß, wie Dinge tatsächlich laufen. Eine weitere Herausforderung ist die dislozierte Struktur. Ich habe viele Bereiche nicht im Haus, kann nicht einfach kurz hingehen, sondern muss telefonieren, Mails schreiben oder hinfahren. Das ist ungewohnt und verlangt bewusste Kommunikation.
Größte Herausforderung: Menschen und Abläufe kennenlernen
JD: Und worauf freust du dich am meisten?
Viktoria Fritz: Darauf wirklich unterstützen zu können. Darauf, gemeinsam mit den Mitarbeitenden etwas zu bewirken und Entscheidungen zu treffen, die den Arbeitsalltag erleichtern. Ich bekomme bereits Rückmeldungen, dass Kolleginnen und Kollegen sagen: „Gehen wir zu Vicky, besprechen wir das mit ihr.“ Diese Vertrauensbasis freut mich sehr. Ich möchte, dass sich Mitarbeitende unterstützt fühlen und wissen, dass sie mit ihren Themen kommen können.
JD: Du hast mehrfach betont, dass du den Bereich Wirtschaft und Support als Unterstützungsfunktion siehst. Was meinst du damit konkret?
Viktoria Fritz: Für mich sind Verwaltung und wirtschaftlicher Bereich ganz klar Supportprozesse für unsere Hauptaufgabe – und das ist die Pflege. Diese Haltung ist mir sehr wichtig. Das bedeutet nicht, dass alles möglich ist oder die Verwaltung alles übernehmen kann. Es gibt Grenzen. Aber ich möchte, dass wir als unterstützend wahrgenommen werden, dass Zusammenarbeit funktioniert und nicht das Gefühl entsteht: „Die Verwaltung hilft uns eh nicht.“ Dieses Miteinander ist entscheidend.
Die Miteinander zwischen Verwaltung und Pflege ist entscheidend.
JD: Bedeutet das auch, dass man dich künftig öfter in den Wohnbereichen sehen wird?
Viktoria Fritz: Ja, auf jeden Fall. Das war mir auch schon in meiner bisherigen Rolle wichtig. Ich habe bewusst Gespräche mit den Bereichsleitungen gesucht, um zu hören: Was läuft gut? Wo gibt es Anliegen? Wie geht es euch? Ich werde nicht jeden Mitarbeitenden persönlich kennenlernen können, aber die Schnittstellen sind mir sehr wichtig. Zusammenarbeit funktioniert nur, wenn man sich kennt und miteinander spricht.
Zusammenarbeit funktioniert nur, wenn man sich kennt und miteinander spricht.
JD: Blicken wir etwas nach vorn. In den kommenden Jahren bleibt das PBZ Tulln noch auf mehrere Standorte verteilt. Was ist aus deiner Sicht in dieser Übergangsphase besonders wichtig?
Viktoria Fritz: Dass wir als Haus zusammenbleiben. Auch wenn wir räumlich getrennt sind, sollten wir als Einheit denken und handeln. Diese Übergangszeit sollte genutzt werden, um wieder näher zusammenzurücken, damit wir später auch gemeinsam ins neue Haus übersiedeln können. Das ist nicht einfach, aber es ist wichtig.
JD: Was braucht es dafür ganz konkret?
Viktoria Fritz: Vor allem gutes Zusammenspiel auf Führungsebene. Dass kaufmännische Direktion und Pflegedirektion eng zusammenarbeiten und das auch vorleben, macht enorm viel aus. Das wird wahrgenommen und wirkt nach unten. Gleichzeitig braucht es Formate, die Begegnung ermöglichen – wie Job-Shadowing. Wenn man den anderen Bereich kennenlernt, versteht man Abläufe besser und merkt, dass niemand etwas absichtlich falsch macht. Dieses gegenseitige Verständnis ist entscheidend, um alte Bilder in den Köpfen abzubauen.
Gegenseitiges Verständnis ist entscheidend, um alte Bilder in den Köpfen abzubauen.
JD: Du sprichst viel von Haltung und Zusammenarbeit. Ist das aus deiner Sicht auch unabhängig von Gebäuden und Budgets möglich?
Viktoria Fritz: Absolut. Nicht alles ist eine Budgetfrage. Vieles ist eine Frage von Konzepten, von Haltung und davon, wie man Dinge denkt und lebt. Diese Dinge kann man auch jetzt schon etablieren – und später ins neue Haus mitnehmen.
Das Gespräch zeigt deutlich: Mit der erweiterten Rolle von Viktoria Fritz geht es nicht nur um zusätzliche Aufgaben, sondern um ein klares Verständnis von Führung, Unterstützung und Zusammenarbeit. Gerade in einer Phase des Übergangs kann diese Haltung entscheidend dafür sein, wie ein Haus als Einheit bestehen bleibt.

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