Ehrenamt im PBZ Tulln – Zeit schenken, Sinn stiften, Gemeinschaft leben
- Jürgen Dostal

- 14. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Jan.
Veränderungen lassen sich planen, strukturieren und organisieren. Was sich jedoch nicht verordnen lässt, ist das Gefühl von Zugehörigkeit. Gerade in Phasen des Umbruchs zeigt sich, wie wichtig Menschen sind, die bleiben, zuhören und ihre Zeit schenken. Im Pflege- und Betreuungszentrum Tulln wurde in den vergangenen Monaten besonders deutlich, welche tragende Rolle das Ehrenamt dabei spielt – für Bewohnerinnen und Bewohner, für Mitarbeitende und für die Ehrenamtlichen selbst.
Ehrenamt ist im PBZ Tulln kein Randthema. Es ist fest im Alltag verankert und gestaltet jene Zeit, die für Lebensqualität entscheidend ist: die Zeit jenseits von Pflege, Organisation und Abläufen. Ehrenamtliche begleiten Gespräche, singen gemeinsam, gestalten kreative Nachmittage oder sind einfach da. Nicht spektakulär, aber verlässlich. Nicht laut, aber wirksam.

Ankommen braucht Beziehung und Verlässlichkeit
Christina Lins, die gemeinsam mit Sonja Rebec für die Ehrenamtlichen im PBZ Tulln verantwortlich ist, beschreibt Ehrenamt, beschreibt Ehrenamt vor allem als Beziehung. Gerade in Zeiten des Umbruchs ist Verlässlichkeit ein zentraler Faktor – für Bewohner:innen ebenso wie für Ehrenamtliche selbst. Routinen, fixe Zeiten und bekannte Gesichter geben Sicherheit und Orientierung.
„Gerade für ältere Menschen ist es wichtig, dass sich eine gewisse Routine in den Alltag integriert.“
Ehrenamt lebt dabei nicht von punktuellen Einsätzen, sondern von Regelmäßigkeit. Wer weiß, wann jemand kommt und was gemeinsam passiert, kann Vertrauen entwickeln. Dieses Vertrauen bildet die Basis für Nähe, Offenheit und echte Begegnung.
Sinn als stärkster Antrieb
Was Ehrenamtliche im PBZ Tulln motiviert, ist nicht Pflicht, sondern Sinn. Das Engagement entsteht aus dem Wunsch heraus, etwas Positives zu bewirken – und dabei selbst erfüllt zu werden. Ehrenamt ist keine Einbahnstraße, sondern ein gegenseitiges Geben und Nehmen.
„Ehrenamt ist eine Möglichkeit, Gutes zu tun – nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für mich selbst.“
Viele Ehrenamtliche berichten, dass sie das Haus nicht nur mit dem Gefühl verlassen, geholfen zu haben, sondern auch selbst bereichert zu sein. Dieses Erleben von Sinn wirkt nachhaltig und erklärt, warum viele Menschen über Jahre hinweg engagiert bleiben. Es ist eine Win-win-Situation für beide Seiten.
Zeit haben für das Wesentliche
In einem großen Haus mit vielen Berufsgruppen haben Ehrenamtliche eine besondere Rolle. Sie ersetzen keine Pflege und keine professionelle Betreuung, sondern ergänzen sie dort, wo Zeit der entscheidende Faktor ist. Während Pflegekräfte unter hohem Zeitdruck unverzichtbare Aufgaben leisten, können Ehrenamtliche, oft begleitet durch die engagierten Alltagsbegleiterinnen, innehalten, zuhören und begleiten.
„Das ist der große Vorteil der Ehrenamtlichen: Sie können sich Zeit nehmen.“
Diese Zeit ist es, die Gespräche möglich macht, Beziehungen vertieft und kleine, aber bedeutende Momente entstehen lässt. Gerade im Alltag älterer Menschen sind es oft diese scheinbar unspektakulären Augenblicke, die den Unterschied machen.
Gemeinschaft trägt – nach innen und nach außen
Ehrenamt wirkt nicht nur in Richtung der Bewohner:innen, sondern auch innerhalb der Gruppe der Ehrenamtlichen selbst. Es entstehen Gemeinschaften, Freundschaften und Rituale. Gemeinsame Treffen, Feiern und Fortbildungen stärken das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.
„Diese Gemeinschaft spielt eine ganz große Rolle, gerade im Alter.“
Unterstützt wird dieses Engagement durch klare Rahmenbedingungen wie Versicherungsschutz, Verpflegung, Fortbildungsangebote und gemeinsame Veranstaltungen. Besonders wichtig sind dabei Rituale der Wertschätzung, die Zugehörigkeit spürbar machen und Engagement sichtbar würdigen.
Wertschätzung, die direkt ankommt
So wichtig strukturelle Anerkennung auch ist – die tiefste Form der Wertschätzung erleben Ehrenamtliche im direkten Kontakt mit den Bewohner:innen. Ein Lächeln, ein dankbarer Blick oder ein Moment des Wiedererkennens wirken stärker als jede formelle Anerkennung, denn die größte Wertschätzung kommt von den Bewohnern selbst. Diese unmittelbare Rückmeldung ist es, die Ehrenamtliche trägt und motiviert. Sie macht sichtbar, dass ihr Dasein zählt und ihr Engagement Wirkung zeigt.
Ein Blick nach vorne
Mit Blick auf die Zukunft wünscht sich Christina Lins vor allem eines: Raum. Räume für Begegnung, für Gruppenaktivitäten und für gemeinsames Tun. Und sie wünscht sich, dass Ehrenamt im neuen PBZ weiter wachsen kann – eingebettet in ein gutes Miteinander aller Bereiche.
„Wenn sich Ehrenamtliche willkommen fühlen und gerne kommen, dann profitieren alle davon.“
Das Ehrenamt im PBZ Tulln zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Menschen freiwillig Verantwortung übernehmen. Es macht deutlich, dass Sinn, Gemeinschaft und Menschlichkeit keine Schlagworte sind, sondern gelebte Realität. Und es erinnert daran, dass gute Pflege nicht nur Professionalität braucht – sondern auch Menschen, die Zeit schenken.









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