Schwerstpflege: ein neuer Standort, neue Abläufe und wertvolle Beziehungen
- Jürgen Dostal

- 3. Sept. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Interview mit Michaela Krenn , Leiterin der Schwerstpflege, über den Umzug ins Universitätsklinikum Tulln
Am 19. August 2025 ist die Schwerstpflege des PBZ Tulln ins Universitätsklinikum Tulln übersiedelt. Nach der ersten Woche am neuen Standort berichtet Michaela Krenn, Leiterin des Bereichs, im Gespräch mit Jürgen Dostal über Erfahrungen, Herausforderungen und erste Eindrücke.

JD: Ganz lieben Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Jetzt ist es knapp eine Woche, dass Sie am neuen Standort sind. Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch, dass Sie so weit gekommen sind. Wie haben Sie die ersten Tage im neuen Zuhause erlebt – kann man schon von einem Zuhause sprechen?
Michaela Krenn: Im Großen und Ganzen ja. Es sind noch Kleinigkeiten – manchmal suchen wir etwas und keiner weiß, wo es ist. Aber es wird besser. Manche Dinge finden wir sofort, manches werden wir noch ändern. Wir lassen jetzt erst einmal etwas Zeit vergehen, um zu sehen, was bleibt und was angepasst wird. Positiv ist: Wir haben viele Lagerflächen, das ist ein großer Vorteil. Auch die Wege sind kürzer, wir sind schneller bei den Bewohnern.
JD: Bis vor kurzem haben Sie die Räumlichkeiten mit dem Hospiz geteilt. Wie fühlt es sich an, jetzt einen eigenständigen Wohnbereich zu haben?
Michaela Krenn: Das ist super. Wir wissen jetzt genau, welche Dinge zu uns gehören. Die Zuordnung ist klar und einfach.
JD: Was war beim Umzug die größte Herausforderung?
Michaela Krenn: Im Nachhinein hätten wir den Transport der Materialien und Gegenstände nicht auf einen Tag konzentrieren sollen. Am Umzugstag kam alles zusammen – und gleichzeitig mussten wir uns voll auf die Bewohner konzentrieren. Besser wäre es gewesen, wenn vieles schon vorher angeliefert worden wäre. Das war für mich persönlich sehr anstrengend. Dazu kam die Urlaubszeit und ein langes Wochenende, wodurch einige Mitarbeitende gefehlt haben. Positiv war die Unterstützung des Frachtunternehmens: Die Mitarbeiter haben die Kisten anhand der Beschriftungen gleich ins richtige Zimmer gestellt, wo wir dann nur mehr auspacken mussten.
JD: Vor Ihnen sind die Wohnbereiche 4 und 5 auf den Weißen Hof übersiedelt. Konnten Sie von deren Erfahrungen profitieren oder war Ihre Situation anders?
Michaela Krenn: Ich habe mir bewusst ein eigenes Bild gemacht. Wichtig war mir, dass mit der Übersiedlung der Bewohner auch wirklich alles vor Ort ist, um die Versorgung sicherzustellen.
JD: Ich hatte am Umzugstag den Eindruck, dass Ihr Team sehr eingespielt ist. Da gab es Mitarbeitende, die ausgeräumt haben, während andere schon die Bewohner versorgt haben.
Michaela Krenn: Am Tag nach der Übersiedelung waren fast alle Schachteln ausgeräumt – man kann sagen, dass innerhalb eines Tages 90 Prozent erledigt war. Trotzdem war der Umzugstag eine enorme Anstrengung. Besonders am Nachmittag, als alle Bewohner bereits übersiedelt waren, aber noch viele Gegenstände ihren Platz suchten, war es schwer, die Übersicht zu behalten. Jetzt stehen bei mir im Büro noch zwei Schachteln, die mache ich langsam nebenbei. Außerdem müssen wir uns an die neuen Abläufe des Krankenhausbetriebs anpassen.
JD: Umzug ist Veränderung, für alle Beteiligten. Gab es auch Momente, die Ihnen in positiver Erinnerung bleiben werden?
Michaela Krenn: Ja, der Zusammenhalt im Team. Wir sind ja selbst mit Kisten vom PBZ ins UK Tulln gefahren. Dabei gab es auch lustige Momente – zum Beispiel, wenn die Transportwagen über die Rampe immer schneller wurden. (lacht)
JD: Wie hat das Team, das viele Jahre im PBZ Tulln gearbeitet hat, auf die neue Umgebung reagiert?
Michaela Krenn: Eigentlich positiv. Besonders die größeren Lagerräume sind ein Vorteil. Auch im Nachtdienst ist es einfacher, weil wir jetzt für uns alleine verantwortlich sind. Und wir haben endlich einen zentralen Stützpunkt – das hatten wir vorher nicht.
JD: Übergangsphasen können kritisch werden. Wie klappt die Kommunikation mit den neuen Einheiten im Universitätsklinikum?
Michaela Krenn: Sehr gut. Wenn wir etwas brauchen, werden wir sofort unterstützt. Die Bestellungen laufen an fixen Tagen, die Essensbestellung ist neu organisiert. Eine große Erleichterung ist der Scanner auf der Station – dadurch können wir Dokumente viel schneller bearbeiten und verschicken. Das sind Dinge, die wir vorher nicht hatten.
JD: Hat sich der Alltag für Team und Bewohner verändert?
Michaela Krenn: Den Alltag konnten wir 1:1 übernehmen. Viele Prozesse sind sogar einfacher geworden: Wir werden mit Wäsche versorgt, Müll wird abgeholt, Essen wird geliefert. Das erleichtert uns viel. Die Bewohner sind überwiegend positiv eingestellt. Nur ein Bewohner hatte anfangs Probleme – verständlich, wenn Kleidung plötzlich anders organisiert ist und fremde Gesichter am Umzugstag da sind. Aber nach ein paar Tagen legt sich das.
JD: Haben sich Angehörige oder Ehrenamtliche am Umzug beteiligt?
Michaela Krenn: Ja, die Angehörigen haben schon im PBZ geholfen, die persönlichen Dinge zu verpacken. Hier in den Zimmern haben sie dann viel selbst eingeräumt. Wo es keine Angehörigen gab, haben selbstverständlich wir das übernommen. Wer helfen wollte, konnte sich beteiligen.
JD: Auch für Sie persönlich beginnt ein neuer Abschnitt. Was bedeutet der Umzug für Sie als Leiterin?
Michaela Krenn: Ich habe erstmals ein kleines Büro. Dort kann ich Dinge in Ruhe erledigen. Das ist eine Erleichterung, und ich fühle mich schon fast zuhause.
JD: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – für Ihr Team und für die Bewohner – welcher wäre das?
Michaela Krenn: Dass sich alle wohlfühlen und es den Bewohnern gut geht. Und dass das Team noch stärker zusammenwächst. So ein Umzug ist ja auch eine Trennung: Man sieht viele Kolleg:innen nicht mehr, vielleicht jahrelang.
JD: Haben Sie Vorschläge, wie man diesen Zusammenhalt trotzdem stärken könnte?
Michaela Krenn: Man müsste sich regelmäßig treffen. Aber ich glaube, wenn wir in einigen Jahren wieder zusammenkommen, werden wir neu beginnen müssen. Diese spontanen Begegnungen, die wir früher beim Essen hatten, fehlen jetzt. Das müssen wir akzeptieren. Dafür gibt es andere Gelegenheiten – Mitarbeiterveranstaltungen zum Beispiel, die man bewusst nutzen sollte. Ich gehe auch immer wieder ins Rosenheim, um die Post zu holen. Da treffe ich Kolleg:innen und habe die Möglichkeit, Kontakt zu halten..
JD: Vielen Dank für diesen Einblick.
Michaela Krenn: Sehr gerne.

Kommentare